Shanty-Historie
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Heute wirkt die Zeit der großen Windjammer auf uns romantisch verklärt, doch die rauhe Wirklichkeit war für die alten Seeleute unvorstellbar hart und beschwerlich. ship1.gif (46284 Byte)Die Segelmanöver an Deck und in der Takelage erforderten ungeheure körperliche Anstrengungen. Primitive Unterbringung, unzureichende Kleidung, einseitige Ernährung, Kälte und Wind. Salzwasser und Rattenplage verursachten Krankheiten wie Rheumatismus, Gelbsucht und Skorbut. Teilweise herrschten an Bord Bedingungen, die an Sklaverei grenzten.

All das fand seinen Niederschlag in den zahlreichen Liedern, wie sie in der großen Zeit der Segelschiffahrt aufkamen oder weiterentwickelt wurden. Einerseits waren es Arbeitsgesänge, die aus einem Wechselgesang zwischen dem Vorsänger, dem »Shantyman« und dem Chor bestanden. Durch diese Songs erreichte man einen gleichmäßigen, gemeinsamen Kräfteeinsatz beim Ziehen eines Taus, beim Drehen eines Spills oder beim Bedienen einer Pumpe.

Andererseits waren es Freizeitlieder, die nach den großen eisernen Pollern, auf denen die Seeleute bei gutem Wetter saßen, auch "Poller-Lieder oder Forebitter" genannt wurden.

 

Während die Arbeitslieder ohne Musikbegleitung erklangen, wurden die Forebitter häufig von einer Harmonika, Fiedel oder Gitarre begleitet. Beide Liedertypen gemeinsam bezeichnete man mit dem Namen "Shanty" - was wohl vom englischen "chant" gleich "singen" abgeleitet wurde.

ship2.gif (38583 Byte)Am Anfang waren die Arbeitslieder wilde, lautmalerische Gesänge zum Heißen leichter Vorsegel oder einer Rah, an den Brassen und überall dort, wo ein leichter "Pull" zu machen war. Eine Art "Hau-ruck" mit Füllsilben, ein "Aussingen" mit Elementen des Blues. Daraus entstanden die kurzen Holgesänge oder "Short-Haul-Shanties". Das älteste dieser Lieder stammt wahrscheinlich aus dem 16. Jahrhundert.

Eine zweite Gruppe von Arbeitsliedern bilden die "Hand-über-Hand-Shanties" beim Heißen leichter Stagsegel, bei denen ein Tau mit der linken und rechten Hand abwechselnd geholt wird. Daraus entstanden zahlreiche "Halyard" oder "Fall-Shanties". Zu dieser Gruppe gehörten beispielsweise

"A long time ago" und "Roll the cotton down".

 

 

Die dritte Gruppe sind jene Lieder, die an der Pumpe oder am Gangspill gesungen wurden. Die einen nannte man "Pump-Shanties", die anderen "Capstan- oder "Windlass-Shanties". Man sang sie beim Heben und Niederdrücken der Pumpenschwengel oder indem man - die Handspaken vor der Brust - um ein Gangspill herumging. Zwei typische "Capstan-Shanties" sind "Rio Grande" und "Sacramento".ship3.gif (32207 Byte)

Viele dieser Gesänge sang man auch wahlweise sowohl am Gangspill als auch an der Pumpe. Am Ankerspill wurden zuerst die schnelleren Shanties wie die oben erwähnten gesungen, solange das Schiff an den Anker herangezogen wurde. Beim Hieven des Ankers erklangen dann die langsameren "CapstanSongs", wie "Rolling home" und "Shenandoah".

Die rauhen Gesänge der alten Fahrensleute sind allesamt echte, unverfälschte Volkslieder. Viele gehen auf alte Volksweisen zurück, zum Teil stammen sie aus der Tradition der nordamerikanischen Negersklaven, Goldsucher, Holzfäller und Eisenbahnarbeiter.

Wie bei den Volksliedern üblich, wurden sie stets den jeweiligen Situationen angepaßt, textlich und musikalisch verändert und "zurechtgesungen". Aus diesem Grund sind die einzelnen Lieder in den verschiedenen Sammlungen auch in zahlreichen Versionen zu finden, die teilweise sehr stark voneinander abweichen.

 

 

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